Ehrenmitgliedschaft für Hans Ulrich Kölsch



Die Deutsche Gesellschaft für Kunststoff-Geschichte e.V. verleiht dem Sammlerpaar Kölsch die erste Ehrenmitgliedschaft auf Grund außerordentlicher Verdienste um das Bewusst- und Sichtbarmachen von Kunststoffgeschichte.

In einer Zeit, wo sich noch nicht viele Mitbürger Gedanken über alte Kunststoffe machten, begannen Hans Ulrich Kölsch, Architekt aus Essen und seine Frau Ursula Kunststoffobjekte zu sammeln. Sie erkannten mit als erste den Stellenwert, die Auswirkungen und die ästhetischen Möglichkeiten von Gegenständen aus Kunststoffen und Kunststoffvorläufern als sammel-, dokumentations- und ausstellungswürdig.
Von der "Magie einer alltäglichen Materie" angesprochen, begannen sie ihre Sammeltätigkeit Ende der 1970er Jahre. Der Bestand wuchs so schnell, dass bereits die erste Ausstellung: "Kunststoffobjekte 1860–1960" vom 20. Nov. 1983 bis zum 1. April 1984 im Folkwang Museum in Essen und danach vom 7. Juni bis zum 26 August im Kunstgewerbe-Museum der Stadt Zürich, Museum für Gestaltung, stattfand. Schon damals hieß es, dass die Ausstellungsstücke "aus der noch sehr viel umfangreicheren Sammlung von Ursula und Hans Ulrich Kölsch" stammten. Und in den allermeisten der zahlreichen späteren Ausstellungen – bis zum Jahre 2000 waren es mindestens zehn – tritt ebenfalls "das "Sammlerehepaar" Kölsch auf. Die Ausstellungsorte in Deutschland, den Niederlanden, Belgien und Frankreich waren immer renommierte Häuser. Um nur einige der frühesten Ausstellungen herauszugreifen: Museum für Kunst- und Gewerbe Hamburg 1985, Kunsthalle Darmstadt 1986, Kunstmuseum Düsseldorf und Provinciaal Museum Sterckshof Deume-Antwerpen 1987.
In fast allen Katalogen hat Hans Ulrich Kölsch seine Sammlungen nicht nur als Leihgaben präsentiert, sondern auch geschichtlich, gestalterisch und im kulturellen Kontext beschrieben.
Als Besonderheit ist vielleicht zu erwähnen, dass durch die Kölsch'schen Sammlungen und Forschungen eine völlig vergessene Material-, Objekt- und Firmengeschichte wieder zum Leben erweckt wurde. Es handelt sich um "Fantasie und Industrieartikel" der Marke EBENA. In sehr luxuriösem, französischem Art-Déco Stil, gehalten, wurden von ca. 1921 bis 1931 Kästchen, Schalen, Dosen und Vasen dieser Marke hergestellt. Anfänglich war es wohl nicht ganz klar, ob sie nicht aus einem Kunststoffmaterial gefertigt wären. Tatsächlich bestanden sie aber aus einem Gemisch mit glycerinverestertem Kopalharz, einem ursprünglich in der Natur vorkommenden alten Baumharz, ähnlich dem Bernstein. Für die Formgebung waren Methoden notwendig, wie sie auch ganz typisch für Kunststoffe sind. Bei vielen EBENA-Objekten wurde zusätzlich Blattgold und Blattsilber eingearbeitet und wundervolle Farbeffekte erzielt. Im Ausstellungskatalog heißt es schlicht und einfach: "Dem Ehepaar Kölsch gebührt die Ehre und der Verdienst, die Etablissements EBENA (in Wijnegem) wieder entdeckt zu haben". Diese Entdeckungsfreude kennzeichnet bis heute die gesamte Kölsch'sche Sammlungs- Ausstellungs- und Publikationstätigkeit.

Ursula und Hans Ulrich Kölsch haben zum Bewusst- und Bekanntwerden der Rolle von Kunststoff und Kunststoffobjekten in unserer Zeit bahnbrechende Pionierarbeit geleistet. Hierfür wurde ihnen anlässlich eines Treffens am 28. April 2007 im Museum Ober-Ramstadt bei Darmstadt mit der Ehrenmitgliedschaft der Deutschen Gesellschaft für Kunststoffgeschichte e.V. in gebührender Weise gedankt.

Günter Lattermann


Günter Lattermann (2007)